Familienfreundlich nur auf den ersten Blick - Potsdam braucht eine Qualitätsinitiative für Kindertagesstätten
Familienfreundlich nur auf den ersten Blick - Potsdam braucht eine Qualitätsinitiative für Kindertagesstätten
Landesregierung muss für Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Kitas sorgen
Das Recht auf Bildung beginnt mit der Geburt eines Kindes. Frühkindliche Bildung soll daher die Entwicklung der Persönlichkeit und der mentalen und physischen Fähigkeiten von Kindern fördern und dabei die Würde und die Interessen des Kindes berücksichtigen. Aufbauend auf dieser Erkenntnis sind die Anforderungen an Kindertagesstätten als Orte des Lernens in den letzten Jahren enorm gestiegen. Bildungspläne, Dokumentation, Diagnostik, Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, Sprachstandsfeststellung und -förderung etc. haben Eingang in die Kitas gefunden.
Jedoch haben sich die Rahmenbedingungen für die Arbeit der ErzieherInnen in Brandenburg seit 1997 nicht verbessert.
Bei den unter Dreijährigen betreut nach den Ergebnissen des Länderreports Frühkindliche Bildungssysteme eine Erzieherin rechnerisch 7,8 Kinder. Der Brandenburger Personalschlüssel ist damit der schlechteste aller Bundesländer. Bei den über Dreijährigen kommen 12,1 Kinder auf eine ErzieherIn, womit Brandenburg immer noch zu den Schlusslichtern zählt.
Der gesetzliche Betreuungsschlüssel beinhaltet nach Auffassung des Landesgesetzgebers bereits den Zeitaufwand für Tätigkeiten wie Vor- und Nachbereitung und Elternarbeit sowie sämtliche Ausfallzeiten durch Urlaub, Krankheit und Fortbildung. Lediglich für Leitungsaufgaben gibt es zusätzliche Personalressourcen, die bei einer Einrichtung mit 13 Mitarbeitern einer halben Stelle entsprechen. Für die unmittelbare Arbeit mit Kindern steht in der Praxis daher noch weniger Personal zur Verfügung. Das darf so nicht bleiben!
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen den Personalschlüssel bei der Kindertagesbetreuung
schrittweise verbessern, um den hohen Qualitätsanforderungen von Kleinkindpädagogik gerecht zu werden:
- bei den 0 bis 3-Jährigen soll eine ErzieherIn mit vier Kindern,
- bei den 3 bis 6-Jährigen soll eine ErzieherIn mit höchstens acht Kindern und
- bei den 6 bis 12-Jährigen soll eine Erzieherin mit höchstens zwölf Kindern arbeiten.
Wir Bündnisgrünen haben uns immer für eine Verbesserung der Situation in den Kitas eingesetzt. Wir treten für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in den Kitas ein und schließen uns den zahlreichen Initiativen von Eltern und Trägern an. Bei den Rahmenbedingungen ist das Land eindeutig in der Pflicht. Die Landesregierung muss für Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Kitas sorgen. Man kann von den Städten und Gemeinden nicht erwarten, dass sie das Land aus seiner Verantwortung entlassen und die Finanzierung eines besseren Betreuungsschlüssels alleine finanzieren. Die Verbesserung des Betreuungsschlüssels ist daher für uns ein zentrales Thema, für das wir uns im Landtagswahlkampf einsetzen.
Einführung von Qualitätsstandards auf kommunaler Ebene
Ein zweites Problem ist das Fehlen verbindlicher externer Qualitätsüberprüfungen. Maßnahmen zur Qualitätskontrolle und zur Umsetzung der Grundsätze elementarer Bildung sind in die Konzeption der Kitas einzuarbeiten. Die Qualitätsmessung erfolgt derzeit aber freiwillig über Qualitätswettbewerbe und in ausgewiesenen Projekten. Eine allgemeine Vergleichbarkeit der Leistungen von Kindertagesstätten lässt sich so nicht herstellen.
Deshalb unterstützen wir die, von uns mit in Gang gesetzten Bemühungen der Stadt Potsdam, über ein Qualitätsforum von verschiedenen Trägern und dem Jugendhilfeausschuss durch die Festlegung von Mindeststandards und darüber hinausgehender Maßnahmen guter Praxis eine Verbesserung der Qualität in den Kitas zu erreichen.
Aufbauend auf der Arbeit des Qualitätsforums fordern BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Stadt Potsdam auf, Eigeninitiative zu ergreifen für:
- Verbesserungen in der Leitungsfreistellung (ab 12 Mitarbeitern volle Freistellung, unter 12 Mitarbeitern anteilig),
- die Finanzierung von Arbeitszeit für die Eingewöhnungsphase, für Entwicklungsgespräche und die dazugehörige Dokumentation
- die Verbesserung der Fort- und Weiterbildung durch Anrechnung von drei Tagen pro ErzieherIn und Kalenderjahr.
Dies kann und sollte die Stadt in den nächsten zwei Jahren erreichen, um einen Beitrag zur Verbesserung des Betreuungsschlüssels zu leisten, ohne das Land aus der Verantwortung zu entlassen.
Darüber hinaus sollte ein Prämiensystem eingerichtet werden, um gesunde Ernährung in den Kitas und über die Mindeststandards hinausgehender Maßnahmen guter Praxis zu fördern. Dazu gehört z.B. die Entwicklung von Kooperationsvereinbarungen zwischen Grundschulen und Kitas. Die Finanzierung der Umsetzung der Qualitätsstandards ist schrittweise über einen Nachtragshaushalt zu realisieren.
Für ermäßigtes Kitaessen für einkommensschwache Familien
Bündnis 90/Die Grünen in Potsdam setzen sich zudem in den anstehenden Haushaltsberatungen für den Haushalt 2009 dafür ein, dass Krippen- und Kita-Kindern einkommensschwacher Eltern in Potsdamer Kindertagesstätten ein vergünstigtes und in besonderen Härtefällen kostenloses Mittagessen zur Verfügung steht. Unser Ziel ist es, die momentane Ungleichbehandlung von Kita und Schulkindern so schnell wie möglich zu beenden, da sie sachlich nicht zu begründen ist und willkürlich erscheint.
Für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Kitas und Eltern
Neben der Selbstevaluation in den Kitas fordern wir ausdrücklich eine externe Evaluation der Träger anhand der festgelegten Qualitätsparameter durch den Träger der öffentlichen Jugendhilfe.
Durch die Einrichtung eines Kita-Ausschusses sind auch die Eltern als Erziehungspartner an Veränderungsprozessen und Entscheidungen, welche die Kitas betreffen, zu beteiligen.
Aufgrund der steigenden Einwohnerzahlen wird die Situation im Bereich der Kinderbetreuung jedoch voraussichtlich weiterhin angespannt bleiben. Das Problem ist dabei weniger ein Mangel an Plätzen als die ungleiche Verteilung der Plätze innerhalb der Stadt. Die Beratungsstelle des Trägers "Kinder-Welt" des Studentenwerks hat im vergangenen Jahr 400 Eltern bei der Suche nach einem entsprechenden Kitaplatz beraten und geholfen, den richtigen Platz zu finden. Wir fordern, dieses Beratungsangebot auf die ganze Stadt hin auszuweiten. Des Weiteren sollte ein onlinegestütztes System den Eltern über Visitenkarten der einzelnen Kitas eine erste Orientierung ermöglichen.
Ausdrücklich ermutigen wir Elterninitiativen zur Belebung der Kitalandschaft beizutragen und neue Kitas (z.B. Wald- und Umweltkitas) zu gründen, denn auch Konkurrenz trägt zur Qualitätsverbesserung bei.














